Neulich las ich in mehreren esoterisch angehauchten Blogs, dass Wissenschaftler sich gedanklich nicht zu weit von ihrem Forschungs-Mainstream entfernen dürften, weil das angeblich zu Repressionen seitens der universitären Leitung bzw. der Kollegen führen würde (den ganzen NWO-Quatsch lasse ich aussen vor). Gemeint war hier ein womöglich unterschwelliges oder gar deutlich ausgesprochenes Verbot, sich über ungewöhnliche Bereiche beispielsweise wie Spiritualität, Religiosität  oder das Wirken geistiger Kräfte auf die materielle Welt Gedanken zu machen.

Einige Schreiber sehen häufig darin den Grund, warum sich Wissenschaftler nicht mit den zahlreichen Glaubens – oder Erfahrungsansätzen beschäftigen wollen. Manche vermuten gar eine dogmatische Wissenschaft mit vorgeschriebenen wissenschaftlichen Ergebnissen. In einem Blog wurde sogar davon gesprochen, dass die Ergebnisse Einsteins falsch wären, dieselben aber von der Wissenschaft bis heute dogmatisch durchgesetzt würden.

(Nur am Rande: wenn Einstein falsch gelegen hätte, dann wären sowohl die Navis als auch die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach für die Katz´, und wir würden heute immer noch an der Kurbel drehen.)

Dies alles ist jedoch nicht nur reine Spekulation, sondern geht tatsächlich völlig an der Realität vorbei.  In einer Studie hat die Rice University (Houston/Texas) eine Erhebung unter 275 Natur- und Sozialwissenschaftlern an Amerikas Eliteuniversitäten durchgeführt. Dabei ist herausgekommen, dass ca. 20% der Wissenschaftler sich selbst als spirituell veranlagt sehen, unabhängig von einem weiteren religiösen Glauben. Im Gegensatz dazu liegen Nichtwissenschaftler bei 50%, hier sogar tendenziell mehr bei den Atheisten als bei den Religiösen. Insofern wäre es denn verwunderlich, wenn sich Wissenschaftler die Forschung in spirituellen oder esoterischen Bereichen verkneifen müssten. Das ist auch nicht so, denn viele der heutigen esoterischen Randgebiete wurden bereits wissenschaftlich untersucht:

Dass Wissenschaftler auch sonst hier und da von außerphysikalischen Themen bewegt werden und sie auch noch in der Öffentlichkeit „ungestraft“ darüber schreiben, kann man bspw. bei „Hier wohnen Drachen“ (ScienceBlogs) nachlesen. Dort hat der promovierte Physiker Martin Bäker letztes Jahr eine Lanze für die Spiritualität gebrochen und eine recht angenehm sachliche, lange und doch spannende Diskussion ausgelöst.

Auch Naturwissenschaftler geben sich eben nicht immer mit der reinen Existenz zufrieden und suchen entweder nach einem Sinn hinter allem oder den Möglichkeiten, die das Gehirn noch zu bieten hat. Die Naturwissenschaft ist ja gerade dazu prädestiniert, Erklärungen zu suchen und Unerklärliches zu erforschen.
Warum also sollte sie vor esoterischen Themen halt machen? Das hat sie auch nicht, aber gefunden hat sie bei den meisten dieser Themen bisher eben auch nichts…