In SPIEGEL online steht ein Artikel über die Kritik einiger Grünen an dem Grünenabgeordneten Jürgen Trittin, der in diesem Jahr in Chantilly in dem US-Bundesstaat Virginia zu der 60. Bilderberg-Konferenz eingeladen wurde und an dieser auch teilnahm. Anscheinend gehört es auch zu den Gepflogenheiten mancher Grünen, sich Verschwörungstheorien hinzugeben. Immerhin wird Trittin vorgeworfen, er als linker Politiker und Mitglied der Grünen hätte an einer solchen Konferenz nicht teilnehmen dürfen. Abgesehen davon, dass die Grünen sich mit solchen Äußerungen unwählbar machen und ich es unerträglich finde, wenn nichtinformierte Menschen anderen vorschreiben wollen, was sie dürfen und was nicht, frage ich mich zudem, wie es überhaupt zu solch völlig abwegigen Äußerungen kommt.

Was sind Bilderberger-Konferenzen?

Konferenzen werden üblicherweise veranstaltet, um miteinander über bestimmte Themen zu reden. Zwar meinte Harald Martenstein in einem Artikel in der XXXX, dass „Konferenzen … wie Kohlekraftwerke (sind), sie erzeugen, bezogen auf den Input, relativ wenig Energie und stoßen gleichzeitig zu viele Schadstoffe aus„. Das mag durchaus sein, dennoch sehe ich in Konferenzen dann zumeist gewinnbringende Aktionen,wenn es  – wie bei den Bilderberg-Konferenzen – nicht um das Durchsetzen von Interessen sondern um einen reinen Gedankenaustausch geht. Hier treffen sich all diejenigen, die in den Strukturen von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zu Hause sind und von denen man eine gewisse Offenheit und Intelligenz erwarten kann. Nicht umsonst waren neben vielen anderen Deutschen auch Helmut Schmidt, Helmut Kohl, Angela Merkel, Peer Steinbrück, Otto Schily und Gerhard Schröder bereits Teilnehmer der Bilderberg-Konferenzen, ganz zu schweigen von Universitätsangehörigen und Wirtschaftsfachleuten.  Die am 29. Mai 1954 durch Prinz Bernhard im Hotel de Bilderberg in Oosterbeek (NL) erstmalig eröffnete Konferenz, bei der auch sieben Teilnehmer aus Deutschland zugegen waren, wurden seinerzeit aus der Befürchtung heraus initiiert„…, dass Westeuropa und Nordamerika möglicherweise nicht so eng zusammenarbeiteten, wie es die ernsten Probleme, mit denen sich die Staaten zu diesem Zeitpunkt konfrontiert sahen, erforderlich zu machen schienen.“ (aus Wikipedia: Bilderberg-Konferenz)

Über die Gesprächsinhalte der Konferenz wird geschwiegen

Verschwörungstheoretiker aber, zu denen zu meinem Erstaunen auch Mitglieder der Grünen zu gehören scheinen, sehen in den Bilderberg-Konferenzen geheime Zirkel der Macht oder gar eine neue Weltregierung. Manche Verschwörer sind sogar der Ansicht, die Bilderberger träfen sich regelmäßig mit Außerirdischen. Einer ausufernden Dummheit sind eben keine Grenzen gesetzt, und so ist es nicht verwunderlich, dass ähnlich wie beim Roswell-Zwischenfall alleine schon eine Geheimhaltung ausreicht, um dauerhafte Spekulationen bis hin zu völlig schwachsinnigen Theorien entstehen zu lassen.
Dabei gelangen Gesprächsinhalte aus den Konferenzen nur deshalb nicht an die Öffentlichkeit (dagegen sind die Themen selbst ja durchaus bekannt), damit den Teilnehmern eine möglichst freie und offene Plattform geboten werden kann, auf denen sie sich völlig unkonventionell und unabhängig vom politischen und öffentlichen Mainstream austauschen können.

Geheim und doch viele Informationen

Auf den Bilderberg-Konferenzen wird nichts beschlossen, deshalb muss auch nichts bekannt gegeben werden. Allenfalls kann man von Einflüssen sprechen, die sich auf bestimmte politische Entwicklungen auswirken. Und natürlich haben die Bilderberg-Teilnehmer wenig Einfluss auf aktuelle oder akute Probleme, wie man an der derzeitigen Euro-Griechenland-Krise sieht. Wenn die doch so mächtig wären, dann würde unsere Bundesregierung nicht so hilflos mit dem Griechenland-Problem umgehen. Schliesslich war Bundeskanzlerin Angela Merkel ja auch schon auf einer solchen Konferenz.

So geheim ist das aber alles nicht – vor allem nicht so geheim, wie es die gänsehautverwöhnten Verschwörungstheoretiker gerne hätten. Wer sich über die Bilderberg-Konferenzen informieren möchte, kann nicht nur in Wikipedia einen langen und ausführlichen Eintrag über die Konferenzen lesen, sondern auch in die Teilnehmerliste Einblick nehmen. Wer es ganz genau braucht, kann auch die Original-Webseite der „völlig geheimen“ Bilderberger aufrufen und dort nicht nur die offiziellen Teilnehmerlisten (natürlich ohne Aliens) lesen, sondern auch rückwirkend auf alle besprochenen Themen der Konferenzen bis 1954 zugreifen. Umso mehr finde ich es witzig, dass auf Youtube Filmausschnitte als Sensation präsentiert werden, auf denen Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt in einem Nebensatz die Bilderberger bestätigt.

Vielleicht sollten nicht nur die Verschwörungstheoretiker, sondern auch einige Mitglieder der Grünen sich nun doch mal mit dem Internet vertraut machen. Und man sollte ihnen endlich einmal sagen, was Wikipedia ist und wie man darin etwas findet. Und ganz wichtig: Lesen!