Dass man sich dumm stellen kann weiss jeder. Und dass es unmöglich ist, sich klug zu stellen, ist eigentlich eine Binsenweisheit. Die scheint sich aber bei manchen Mitmenschen noch nicht herumgesprochen zu haben. Immer wieder wird von einigen  Zeitgenossen der Versuch unternommen etwas darzustellen, was sie nicht leisten können. Das passiert häufig in Gesprächen oder Chats, vor allem dann, wenn man sich nicht näher kennt.

Manchmal ergeben sich Gesprächssituationen, in denen einer der bis dato wenig bekannten Teilnehmer entweder eine unbegründete oder eine kryptische (umgangssprachlich: schwammige) Aussage in den Raum stellt. Bei gezielter Nachfrage, wie er denn darauf komme oder was er denn nun meine, ist eine der vielen beliebten phrasenhaften Antworten in solchen Gesprächen: „Nachdenken, mein Lieber, nachdenken!“. Mit einer solchen Aussage will der Ansager vermitteln, er alleine wäre intelligent genug, seine eigene vermeintlich kluge Aussage zu verstehen und möchte den Anderen dumm aussehen lassen.
Solche Aussagen zeigen jedoch sofort, dass der Teilnehmer zwei Dinge beabsichtigt: zum einen möchte er sich selbst erhöhen und bei anderen als intelligent wahrgenommen werden, zum Anderen will er den Frager a priori als unintelligent diskreditieren. Selbsterhöhung durch versuchte Erniedrigung anderer, psychologisch angesiedelt zwischen autoritär und Größenwahn.

Wenn man als Frager aber solche Anwandlungen schlichtweg ignoriert, mit einer gewissen Hartnäckigkeit nachfragt und auf eine sachliche Argumentation besteht, dann brechen solche vermeintlichen Intelligenzgebilde umgehend in sich zusammen. Der kryptische Ansager macht erfahrungsgemäß weitere ausweichende Aussagen und schwenkt dann automatisch in die argumenta-ad-hominem-Schiene ein, er greift also den Fragenden an. Bei weiterem stoischem Nachfragen bleiben die Antworten stets ausweichend bis hin zu der Aussage, dass man die anderen Anwesenden nicht langweilen oder man nicht mit dem Fragenden diskutieren möchte; beliebte Ausweichmanöver vieler Menschen, um die Unfähigkeit zu vertuschen, das eigene Geplapper zu begründen.

Dieses Phänomen kann eindeutig dem Dunning-Kruger-Effekt zugeordnet werden. Der Effekt „bezeichnet (…) eine Spielart der kognitiven Verzerrung, nämlich die Tendenz inkompetenter Menschen, das eigene Können zu überschätzen“ (Zitat Wiki). Auch wenn die „sich klugstellenwollende“ Person merkt, dass ihr der Hintergrund fehlt, wird sie das nicht einmal vor sich selbst eingestehen können, sondern weiterhin auf Angriffe und Fehlschlüsse  zurückgreifen.

Dem sachlichen Frager bleibt in der Schlußfolgerung eines solchen Gesprächs nichts weiter übrig, als die Diskussion abzubrechen. Zum Einen kann man sich bereits bei der ersten Antwort an den eigenen Fingern abzählen, dass der sich kryptisch gebende Gesprächteilnehmer die Sätze, die er von sich gibt, weder begründen noch gestellte Fragen beantworten kann und somit jeglicher Background fehlt. Zum Anderen wird dadurch schnell klar, dass weitere Gespräche völlig sinnlos sind.