Wer kennt es nicht: die meisten Menschen in der eigenen Umgebung haben vor irgend etwas Angst.  Während früher die Gallier gerüchteweise lediglich Angst davor hatten, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fallen könnte, gibt es heute genug vermeintliche Gründe, Angst vor etwas zu haben. Zur Zeit steht wieder einmal die Medizin mit ihren Medikamenten hoch im Kurs.

Die Angst vor Nebenwirkungen sind öfter der Grund dafür, dass  auf jegliche Medikation verzichtet und die Krankheit nicht nur voll und ganz in Kauf genommen wird, sondern Heilungschancen auch durchaus aus diesem Grunde verpasst werden. Dagegen wird dann versucht, die Symptome mit zumeist wirkungslosen Alternativpräparaten zu behandeln.
Die meisten Menschen nehmen die angegebenen Nebenwirkungen jedoch nur vereinzelt wahr. Sollte dieser Fall eintreten, kann in fast allen Fällen mit Hilfe des Arztes auf ein anderes Medikament ausgewichen werden; die Auswahl ist riesig.  Seltsamerweise haben Schulmedizinverweigerer Medizinverweigerer aber keine Angst davor, dass sie ihren Körper mit der Medikationsverweigerung schaden; der Glaube an etwas ist wichtiger als die tatsächlichen Auswirkungen (das immer wieder gerne verwendete Wort „Schulmedizin“ will ich nicht mehr benutzen, weil es das Wort eigentlich gar nicht gibt. Es soll bei Anhängern alternativer „Medizin“ implizieren, dass verschiedene oder gegensätzliche Medizin existiert. Das ist aber nicht der Fall – es gibt nur eine Medizin).

Der Angst wegen gibt es sogar Menschen, die gänzlich auf die böse Chemie verzichten und alternativ noch bösere Chemie schlucken. Nicht einmal ein Kloreiniger ist manchen Alternativnutzern zu chemisch; glücklicherweise wird inzwischen vor dem Verkauf in Deutschland gewarnt. Komischerweise haben in diesem Falle die Nutzer keine Angst vor der deftigen chemischen Keule.

Kritisch werden jedoch Ängste, wenn Eltern ihren Kindern die nötigen Impfungen verweigern. Die Masern mit vereinzelt tödlichem Krankheitsverlauf sind wieder auf dem Vormarsch; warum werden so viele Kinder nicht geimpft? Weil die Eltern mehr Angst vor den Nebenwirkungen haben als der Möglichkeit, dass ihr eigenes Kind an der Krankheit stirbt? Ist ihnen denn nicht bewusst, dass 20-30% der Krankheitsverläufe mit Komplikationen einhergehen, bei denen einige auch zum Tod führen können? Und ist ihnen nicht bewusst, dass Impfnebenwirkungen so gering sind, dass sie niemals ein Leben-aufs-Spiel-setzen des Kindes rechtfertigen? Auch hier finden sich die Ängste auf der falschen Seite.

Doch es gibt noch mehr, wovor die Deutschen falsche Ängste haben. In Spiegel-online fand ich unter dem Titel „Keine Angst vor Urin-Bomben!“  eine Zusammenfassung der Ängste der Deutschen sowie deren Gründe und die heimliche Freude der Medien an aufgepeppten Horrorbotschaften.