„Müssen wir alles wissen?“ Diese Frage wird mir manchmal dann gestellt, wenn ich wieder einmal von einer neuen physikalische Entdeckung gelesen habe und diese in meiner Umgebung herumerzähle. Und auf meine Antwort „Ja klar, unbedingt!“ folgen zumeist weitere Fragen: „Wozu müssen wir das wissen?“ oder „Wozu brauchen wir das?“

Früher war ich über solche Fragen oft erstaunt. Vor allem deshalb, weil mir die zumeist dann gestellt wurden, wenn der/die Fragende gerade am Computer saßen, mit dem CD-Player Musik hörten oder sich im vollelektronischen Kraftfahrzeug mit dem Navi durch die Gegend lotsen ließen. Dass all diese Technik jedoch vorwiegend auf Entdeckungen in der wissenschaftlichen Forschung beruht und ohne Quantenphysik gar nicht denkbar wäre, scheinen die meisten gar nicht zu wissen.  Wie langwierig Entwicklungen und Erkenntnisse bis zur heutigen Selbstverständlichkeit durch Forschung und Wissenschaft erst mühevoll erarbeitet werden mussten, sieht man an dem für uns selbstverständlichsten aller Energieträger, nämlich dem Strom aus der Steckdose. Von der Entwicklung der voltaschen Säule im Jahre 1800 bis hin zur ersten deutschen Blockstation von Paul Reißer im Jahre 1882 vergingen immerhin 82 Jahre Forschung, Versuche und Entwicklung. Ein ganzes Lebensalter.  Nicht anders ist das beispielsweise beim CD-Player.

Der Laser (Light Amplification by Stimulated Emission of Radiation), ohne den keine einzige CD abgespielt werden kann, beruht auf der Grundlagenforschung Albert Einsteins, der bereits 1916 die stimulierte Emission beschrieb. Die Arbeitsgrundlage des Lasers ist stimulierte Emission, also die Anregung künstlich gerichteter Lichtstrahlen. 1960 wurde nach vielen Rätseln, die es zu lösen galt der erste Rubinlaser von Theodore Maiman gebaut. Da wusste man noch gar nicht, was man damit anfangen könnte. Erst 17 Jahre später wurde der erste CD-Player als Prototyp vorgestellt und 1983 kam der erste CD-Player in Serienreife auf den Markt. Es brauchte also auch hier rd.  70 Jahre von der Entdeckung bis zur Serienreife.

Wenn also das nächste Mal mich jemand fragt, wozu wir Forschung und Wissen brauchen, dann gehe ich einfach an seinen Sicherungskasten und schalte ihm kurzerhand den Strom ab. Wozu brauchen wir den?