Häufig läßt sich von diversen (Trotz-) Reaktionen religiöser Menschen lesen oder hören, die meinen, Atheisten seien ja auch nichts weiter als gläubige Menschen, denn sie würden ja auch nur glauben, dass es keinen Gott gibt, beweisen könnten sie es nicht.
Natürlich nicht. Wie soll man auch beweisen, dass etwas nicht existiert. Insofern kann auch nicht bewiesen werden, dass es keine rosa Einhörner mit roten Pappnasen gibt, keine sprechenden Gummibärchen, die sich heimlich im Wald vermehren, kein Spaghettimonster (Ramen!) und keine achterbahnfahrenden Dachse. Insofern ist es schon spaßig, dass sich Religionen nicht zu schade sind, ihren Glauben mit rosa Einhörnern und sprechenden Gummibärchen argumentativ auf eine Stufe zu stellen, damit Agnostikern und Atheisten zumindest entgegen gehalten werden kann, sie seien auch Gläubige.

Das ist letztendlich aber gar nicht wichtig. Der Glaube daran, dass nach dem Tod nichts mehr kommt, sondern unser Gehirn durch die fehlende Versorgung – bspw. durch Herzstillstand – einfach wie ein Computer ohne Strom aus geht und nach einer gewissen Zeit der Inaktivität mit dem Verfallen beginnt, ist keine gewöhnlichsbedürftige Angelegenheit, sondern sogar ein messbarer Vorgang. Die Hoffnung auf eine Weiterexistenz eines Teils des Menschen, der “Seele” genannt wird, mag zwar manchen beruhigen und für die evolutionäre Strategie des Menschen durchaus sinnvoll gewesen sein, real ist es aber vollkommen überflüssig. Wie ich hier schon beschrieben habe ist der Tod eines Menschen ein rein natürlicher Vorgang und findet ganz banal aufgrund der vorherrschenden Naturgesetze statt. Da kann sich auf den Kopf stellen wer will, es wird nie anders sein. Einen Gott braucht es dazu nicht.

Neben diesen Gedanken stehen natürlich noch die gesellschaftlichen Veränderungen im Raum, die eine übernatürliche Instanz ebenso überflüssig werden läßt. Die inzwischen häufige Abkehr der Menschen von Religionen ziehen einen tiefgreifenden Sinneswandel  nach sich, der auch vermehrt zu einem Massenphänomen wird, nämlich dass Gott im öffentlichen und privaten Leben zunehmend unwichtig oder gar hinfällig  wird. Das liegt auch daran, dass viele Menschen überhaupt keinen Gedanken mehr daran verschwenden, sie könnten von einem Gott bei ihrem Treiben beobachtet werden und müssten beim jüngsten Gericht für ihr Tun Rechenschaft ablegen.  Gott hat seine Gerechtigkeitsfunktion inzwischen völlig verloren, auch deshalb, weil Menschen inzwischen eher das eigene Leben selbst in die Hand nehmen und keinen Einfluss durch eine übernatürliche Instanz wünschen. Eine postmortale Gerichtsbarkeit ist hinfällig, und selbst wenn sie existieren würde, interessiert sich kaum noch jemand dafür. Mit zunehmendem Wohlstand, Bildung und Intellektualität verlieren Götter ihre Daseinsberechtigung. Gerechtigkeit soll uns zu Lebzeiten widerfahren und ist deshalb auch Aufgabe des Staates, nicht mehr die eines Gottes.
Zusätzlich ist auch die typische Furcht oder” Ehrfurcht” vor Gott verloren gegangen. Auch bei Religionsangehörigen ist seit langem die konsequente Abkehr von einer Furcht vor Gott zu vernehmen. Im Prinzip haben die meisten Menschen keine Angst mehr davor, sie könnten für ihr Leben nach dem Tod zur Rechenschaft gezogen werden. Und selbst wenn dem so wäre ist es den meisten Menschen zunehmend gleichgültig.

Das vermeintliche Leben nach dem Tod taugt nicht mehr als Steigbügelhalter für eine Göttlichkeit oder ein göttliches Gericht, denn vielen Menschen ist auch der Tod nicht mehr so wichtig. Im Hinblick auf den eigenen Tod ist für viele alleine die Tatsache ist maßgebend, nicht mehr real leben zu können. Da der Tod bisher jeden trifft, ist er für Religiöse und Nichtreligiöse gleichermaßen unausweichlich. Was danach mit der Individualität eines Menschen passiert, bleibt zwar unklar, ist aber letztendlich auch von geringem oder ohne Interesse. Gott ist nicht nur belanglos geworden, er ist inzwischen schlichtweg überflüssig.

Siehe auch:
Der atheistische Sinn des Lebens
Atheistische Irrwege

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