“Gefühl”
Johann H. Schönfeld Wiki gemeinfrei

Der fälscherlicherweise als Blasphemieparagraph benannte §166 StGB besagt recht deutlich, dass die Beschimpfung bzw. Verunglimpfung der Inhalte einer Weltanschauung dann bestrafungswürdig ist, wenn der öffentliche Frieden dadurch gestört wird. Wenn also bspw. betroffene Personen sich durch eine Äußerung emotional tief verletzt fühlen und daraufhin randalieren, gilt das im Allgemeinen als Störung des öffentlichen Friedens. Diejenigen, die mit ihren Äußerungen die Gefühle der Randalierer verletzt hatten, werden dafür bestraft.
Nun ist die Grenze der verletzten Gefühle allerdings leicht verschiebbar und damit vollständig der Willkür preis gegeben. Dabei ist jedoch in der Gesellschaft genau dieser Trend zu beobachten, nämlich die Verletzbarkeit der eigenen Gefühle als Maßstab für kritische Bemerkungen anderer anzulegen und diese danach zu bewerten. So fühlen sich Menschen schon alleine dadurch verletzt oder beleidigt, wenn man ihnen in einem Nebensatz Unkenntnis vorwirft, wie das am Beispiel des Wehrbeauftragten Königshaus gerade deutlich wurde. Es reicht wohl inzwischen, sich  lautstark über die eigenen verletzten Gefühle zu beklagen, damit andere klein bei geben – wenn auch manchmal mit fragwürdigen oder fadenscheinigen Begründungen.

Dass sich diese verletzte Gefühlsduselei steigern kann ist keine Frage. Im Prinzip wären die Veröffentlichungen der Mohammed-Karikaturen in Deutschland in dem Moment strafwürdig gewesen, wenn sich einzelne Gruppierungen auf ihre verletzten Gefühle berufen und auf welche Art und Weise auch immer den öffentlichen Frieden gestört hätten.
Gleichzeitig wäre das auch noch eine von den Störern ausgehende emotionale Erpressung des Rechtsstaates, von dem sich auf diese Art und Weise ganz leicht eine Unterbindung jeglicher Kritik fordern lassen würde. Wer mit einer Weltanschauung im Hintergrund am lautesten schreit und deshalb randaliert hätte recht. Letztendlich ist das im Prinzip nicht anders als die berüchtigte emotionale Erpressung in Beziehungen. Meinungsfreiheit wird auf diese Weise gegenüber einer Religion oder einer Weltanschauung stets abhängig von deren Gewaltbereitschaft betrachtet. Je schneller die Gruppierung randaliert und damit den öffentlichen Frieden stört, umso schneller haben sich deren Kritiker strafbar gemacht. Rechtsprechung in Abhängigkeit von der Gewaltbereitschaft einer Gruppe. Ist das nicht eher merkwürdig?
Sicher, es stehen dem § 166 StGB einige andere Gesetze entgegen, welche die Meinungsfreiheit nicht nur ermöglichen, sondern auch schützen, aber letztendlich müsste ein Richter bei einem Prozeß stets abwägen, ob nun die Meinungsfreiheit oder der öffentliche Frieden das höhere Rechtsgut war.

Der Bamberger Erzbischof Schick hat nun dazu aufgerufen, die verletzten Gefühle der Religionsangehörigen gesetzlich zu schützen. Was er da fordert, ist schlichtweg nichts anderes als das Ende jeglicher kritischen Meinungsfreiheit. Nun hat ja gerade die kath. Kirche in der Unterdrückung derselben eine große und ausführlich gepflegte Tradition vorzuweisen und wünscht sich diese Zeit anscheinend wieder zurück. Verletzte Gefühle in Form emotionaler Erpressung als gesetzlichen Schutz der Weltanschauungen vor Spott und Kritik. Da emotionale ErpresserInnen jedoch fast immer als Täter gelten, wäre ein solches Gesetz zusätzlich auch noch schlichtweg TäterInnenschutz. Zudem würde sich das Gesetz in der geforderten Form nicht nur auf religiöse Weltanschauungen beschränken. Es würde auch dann zutreffen, wenn bspw. jemand durch ein gegrilltes  Spanferkel in seinem Garten bei einem vegetarischen Nachbarn mit weltanschaulich geprägten Tierschutzvorstellungen verletzte Gefühle hervorruft.

Verletzte Gefühle aufgrund von Kritik, Spott oder Hohn über eine Meinung oder Weltanschauung sind nichts weiter als eine emotionale Erpressungsreaktion. Sie sollten nicht beachtet werden und in der Rechtsprechung keine Auswirkungen haben, vorausgesetzt, es fällt nicht in den Rahmen der seelischen Grausamkeit.  Diese wäre in jedem Falle dann gegeben, wenn bspw. ein Behinderter aufgrund seiner Behinderung verspottet werden würde. Auch zeigt das Gesetz zur Holocaustleugnung, dass es sich hier nicht um verletzte Gefühle, sondern eher um seelische Grausamkeit handelt.

Der Staat hat sich in den letzten Jahren aus der “Verletzten-Gefühle-Rechtsprechung” mehr und mehr zurückgezogen (bspw. Ehebruch) und sollte das gänzlich tun. Auch der § 166 StGB sollte ersatzlos gestrichen werden, denn er stellt stets eine unterschwellige Gefahr für das friedliche Zusammenleben verschiedener Weltanschauungen dar.
Geäußerte verletzte Gefühle, die durch Kritik, Spott oder Hohn über eine Meinung oder Weltanschauung verursacht wurden, sind nichts weiter als emotionales Gejammer und versuchte emotionale Erpressung.  Deshalb sollten solche Äußerungen schlichtweg ignoriert werden. Auf verletzte Gefühle solcher Art darf weder die Gesellschaft noch der Staat Rücksicht nehmen; sie dürfen in unserer Gesellschaft niemals einen Stellenwert haben.

Sieh auch:

Emotionale Erpressung – eine Anleitung
Emotionale Erpressung II – Erkenntnisse
Emotionale Erpressung III – klare Einblicke und Auswege

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